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24h-Downhill-Rennen Race the Night 2016 am Semmering, AUT

Jetzt liegt es schon 2 Wochen zurück, das für uns größte Event dieses Jahres, das 24h-Downhill-Rennen Race the Night 2016 am Semmering in Österreich.

Aus unserem Team waren Anna und Tessa mit ihren Freundinnen Isa und Ruth im 4er Team Fireballs beim Race the Night am Start und Anna berichtet vom Rennen:

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Beim 24 Stunden Downhill geht es darum in Teams von 2, 4 oder 6 Leuten oder als Einzelfahrer 24 Stunden lang eine abgesteckte Strecke, die nachts beleuchtet ist, zu fahren. Jedesmal wieder mit der Gondel nach oben und wieder runter-hoch-runter-hoch. An einem normalen Downhill-Tag fahren wir meist maximal 12-mal den Berg runter. Beim 24h Downhill-Rennen kommt man auf ca. 120 bis 160 Runs den Berg runter. Wir konnten uns also viel Spaß und einen ordentlichen Muskelkater von dem Event versprechen. Oh yeah. Es konnte losgehen.

Wir sind als ein Team von 4 Mädels angetreten – Tessa, Isabell, Ruth und ich: Die Fireballs. In unserer Wertung waren wir das einzige Frauenteam und bereit, so viele Männerteams wie möglich hinter uns zu lassen.

Wir machten uns also auf den weiten Weg zum Semmering. Die lange Fahrt war fast vergessen als wir endlich dort waren und unser Camp aufbauen konnten. Es ist im Downhill einfach jedes Mal so schön auf den Rennplatz zu kommen und so viele bekannte Gesichter zu treffen. Es ist jedes Mal wie ein großes Familientreffen.

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Am Samstagmorgen montierten wie schnell die Startnummern an uns und den Bikes. Dann gab es die Möglichkeit die Strecke zweimal abzufahren, bevor es mittags um 12:00 Uhr losgehen sollte. Die Strecke startete eine Wiese runter, auf der Kurven abgesteckt sind. Klingt einfach, war es für uns gar nicht, weil man im Alltag so eine Skipiste einfach nie fährt mit rutschigen, offenen Kurven. Challenge accepted. Dann führt die Strecke auf die offizielle Freeridestrecke dort, kurz im Wald über die Downhillstrecke und dann auf die Four-Cross Strecke. Wir hatten ja jeder ca. 6 Stunden Zeit im Rennen vor uns, das immer schneller fahren zu lernen.

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Der Start

Da lag schon ein Kribbeln in der Luft am Semmering am Samstagmittag. Alle wussten, die letzten Minuten laufen, bevor alle Teams 24 Stunden lang hart kämpfen, um die meisten gefahrenen Runden in der besten Zeit. Es fing an zu regnen. Was würde das mit dem oberen Teil auf der Wiese machen, wenn nun 350 Leute 24 Stunden darauf racen?

Den Start beim Race the Night machte bei uns Tessa. Man muss sein Bike zuvor bergaufwärts hinlegen, alle Fahrer (ca. 350) rennen gemeinsam los zu ihrem Bike, schwingen sich drauf und los geht’s 24 Stunden lang racen. Tess kam super weg und konnte die ersten Runs für unser Team solide fahren, trotz der Rutschpartie auf der Wiese. Man fuhr also die Strecke, man überholt ständig und wird ständig überholt. Unten abspringen vom Bike, in die Gondel mit dem Bike rennen und wieder hoch. Eine Person von unserem Team versorgte die jeweilige Fahrerin jeweils mit Getränken und Essen.

Dann also wieder hoch und wieder runter usw. Gewechselt wird in einer ausgewiesenen Zone unten am Lift, so dass dann die nächste Fahrerin starten konnte. Wir hatten keine Zeiten festgelegt, wann wir wechseln wollten. Man konnte einfach einige Runs vorher seinen Team-Kolleginnen mitteilen, dass man bald wechseln muss. Unserer Strategie war flowig konstant zu fahren, anstelle zu hart auf die Tube zu drücken, weil ein Sturz oder ein platter Reifen ein Team erst recht zurück wirft oder man sogar nur noch wenige unverletzte Fahrer im Team hat.

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Die Strecke

So fuhren wir und fuhren, wechselten uns ca. alle 2 Stunden ab. Das Besondere an diesem Event ist sicher, wie sehr sich die Strecke verändert. Zuerst oben Wiese. Dann kommt die Erde, dann plötzlich Steine. Unterschiedliche Witterung. Mal Regen, dann wieder Sonne. Es war der Hammer, wie gut unser Team funktionierte. Jede von uns Mädels gab alles, die eine eher schneller, dafür konnte die andere länger. Es gab immer eine von uns, die noch konnte.

Am herausforderndsten für uns waren die ersten Stunden der Nacht. Die Strecke ist gut beleuchtet. Aber es wurde so kalt. Und die Wartezeiten im Viererteam sind zum Teil noch lang bis man wieder dran ist. Zu wissen, es sind noch so viele Stunden vor einem. Um Mitternacht ist erst Halbzeit. Es ist schon ein skurriles Gefühl nachts in der 3er-Gondel zu sitzen. Man kann draußen nichts sehen, es ist stockdunkel in der Gondel. Neben einem noch zwei so Verrückte. Jeder hält mit zitternden Händen, die er kaum mehr vom Lenker ziehen konnte, einen Becher Wasser oder einen Energiedrink. Kurzes Austauschen, wie es in den jeweils anderen Teams so läuft. Einer stöhnt vor Schmerzen, verständnisvolles Nicken bei den anderen. Man teilt eine Banane.  Man ist fast oben, plötzlich sieht man wieder was da draußen. Helm wieder auf, Handschuhe an, die Gondeltür geht auf, alles stürzen raus. Los geht’s wieder.

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Race the Night

Ruth rockte einen Großteil des Abends. Den Anfang der Nacht fuhr ich. Irgendwann kam Ruth mit schmerzverzerrtem Gesicht an das Lager. Sie hatte sich am ehesten einen Nerv im Rücken eingeklemmt. An Fahren war nicht mehr zu denken so. Tess und Isa entwickelten unglaubliche Energien. Die beiden reichten sich stundenlang nachts den Staffelstab zu. Am Anfang der Nacht konnten wir noch keinen großen Erfolg mit unserer Strategie verbuchen. Aber ich wusste vom letzten Jahr, wir müssen auf die Zeit setzen, geduldig sein. Immer mehr Teams waren nicht mehr vollzählig, sie hatten immer mehr Ausfälle wegen Stürzen oder technischen Pannen. Im Verlauf der Nacht arbeiteten wir uns durch konstantes Fahren immer weiter nach vorne in der Wertung. Wir wussten ja, dass wir nicht ganz vorne mitfahren können gegen die Hammer-Konkurrenz. Aber wir blieben cool und blieben unserer Strategie treu. Einfach hoch-runter-hoch- runter, flowig, kraftsparend fahren.

Die Strecke hatte sich über Nacht zu einer zerbombten Downhillstrecke entwickelt. Tess hatte vor Freude Tränen in den Augen, als die Sonne endlich aufging. Jetzt kam bei mir der große Energieschub. Ich hatte das Gefühl noch Stunden lang fahren zu können, die Strecke wurde nun trockener, aber auch immer ruppiger. So langsam konnte man allen Fahrern anmerken, dass an das Ende zu denken war. So ein Spaß. Vollgas. Aufregung unten in der Wechselzone. Die aufgehende Sonne blendete unglaublich. Teilweise fühlte man einfach, ob man noch auf der Strecke war. Man kannte sie ja auch so langsam, nach 20 Stunden.

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Final Countdown

Als die letzte Stunde beim Race the Night gekommen war, gab ich nochmal ab an Tess, weil ich wusste, sie ist ein wenig schneller als ich. Nun kam es auf die letzten Runs an. Alle fieberten den 12:00 Uhr entgegen. Dann war es vorbei. Überglücklich lagen wir uns in den Armen, als Tess unten im Ziel ankam. 9 Teams konnten wir hinter uns lassen. Wir hatten zusammen 126 Runs gefahren, mit einer reinen Downhillzeit von 11:21h. Wow. Und wir hatten immer noch Kraft und Bock, weiter zu fahren.

Wir blieben noch einen Tag, genossen die Zeit mit den vielen lieben Menschen, von denen wir einige nur einmal im Jahr dort treffen.

Fazit

Es ist ein einzigartiges Event am Semmering, das Suchtcharakter hat.  Wir sind nächstes Jahr wieder beim Race the Night dabei. Die Fireballs freuen sich darauf. Weihnachten geht das Training los.

Lg, Anna

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Weitere Bilder gibt es H I E R

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