Jón bei der Megavalanche in Alpe d’Huez

Seit 20 Jahren gibt es dieses legendäre Rennen in den französischen Alpen bereits. Für die wenigen die es nicht kennen hier erstmal eine kurze Beschreibung:
Es handelt sich um ein „Marathon DH“ Rennen, bei dem es vom Pic Blanc auf knapp 3.330 m über rund 20 km runter nach Allemont auf  700 m. Beim Massenstart geht es gleich mit 350 anderen Fahrern über mehr oder weniger gut preparierte Skipisten, um dann grösstenteils über Singletrails ins Tal zu fahren. Abgesehen von ein paar Gegenanstiegen alles bergab!

Für Teamfahrer Jon war es letztes Woche sein zweiter Versuch dieses verrückte Rennen zu überstehen. 2012 scheiterte er durch einen Sturtz und einen platen Reifen und konnte sich so nicht qualifizieren. Hier sein Bericht aus diesem Jahr. Mal schauen, ob es dieses Jahr besser geklappt hat:

Als ich mich entschied die Mega dieses Jahr wieder mitzufahren, war mir schnell klar, dass ich mir mein Training gut einteilen muss, um nicht in der Quali schon erschöpft zu sein bevor es los geht. Schon am Sonntag Nachmittag kamen wir im kleinen Dorf Huezan, das nur wenig unterhalb der Alpe d’Huez liegt. Die nächsten 3 Tage versuchte ich jeden Teil der Trainingsstrecke 3 mal, den oberen Teil des Rennens 2 mal und den unteren Teil des Rennens 1 mal abzufahren. Positiv überrascht war ich, als bekannt wurde dass die Qauli-Strecke verkürzt wurde, die 20 min. bergab sind schon anstrengend genug. Am Donnerstag ruhte ich mich aus und fuhr nach Les 2 Alpes zum Cranksworx Festival. Am Freitag war dann um 11:00 Uhr mein Quali-Lauf. Für die die nicht wissen wie das ganze abläuft erklär ich es hier noch mal schnell:

Es gibt 3 Rennen an dem Wochenende, die Megavalanche Internationale, die Mega Challengers und die Mega Amateurs. Je nach Platzierung in der Qualification startet man dann in einem der 3 Rennen (die ersten 35 in der Mega International, die nächsten 35 im Challengers Rennen und die nächsten 34 bei den Amateuren) wer es nicht unter die ersten 94 der 130 Starter der Quali-Läufe schafft startet dann in der Mega-Affinity, hierbei fahren dei Teilnehmer auf Zeit die Strecke runter und nicht im Massenstart. Mein Minimalzeil war mich für das Challangers Rennen zu qualifizieren und dort ’ne recht gute Platzierung zu erzielen. Aber der Reihe nach:

Bei der Quali startete ich aus der ersten Reihe zusammen mit dem Profi Yoann Barelli, den ich schon eine Zeit lang kenne; die Aufregung war schon recht groß. Obwohl ich den Start etwas verpatzt hatte lag ich nach dem ersten Viertel des Rennens auf Platz 16, dann wurden die Hände und Arme aber immer scherer und ich musste ein Paar Fahrer vorbeiziehen lassen. Vor der längeren Tretpassage lag ich dann auf Platz 25. Meine Eltern waren so nett und zählten die Fahrer die vor mir waren; so konnt ich mich recht gut einteilen. Bis zum Ziel geb es jetzt nur noch recht viel Getrete und einen kleinen Flowtrail zu bewältigen. Im Gegensatz zu meinen Armen waren meine Beine wieder recht frisch, nach dem ich beim Start schon recht Gas gegeben hatte. Und so konnte ich noch 3 Paltzierungen gut machen. Schlussendlich war es also Platz 22 und damit war ich vollkommen zufrieden und sollte am Sonntag beim grossen Rennen aus der 7ten Reihe starten!

Am Samstag gönnte ich mir wieder nen Ruhetag und fuhr wieder nach L2A, um dort den Slopestyle Contest zu verfolgen. Nebenbei brachte ich meinen Dämpfer noch schnell zu SRAM, die dort mit ihrem riesen Truck vertreten waren. Bei der Quali hatte der Dämpfer recht viel Luft verloren, aber mit einer neuen Dichtung war schnell wieder alles bereit für das Rennen am Sonntag.

Kurz vor 6:oo Uhr ging dann am Sonntag schon der Wecker; ich sollte lauf Plannung um 6:45 Uhr an der Gondel sein, um dann pünklich am Start sein zu können. Nach recht viel Gewarte an der Mittelstation und oben am Pic Blanc konnte ich mich dann endlich in meine Reihe stellen und erst dann wurde mir so richtig bewusst was es heisst mit 350 anderen Fahrern am Start zu stehen. Bevor ich mir aber lange Gedanken machen konnte erklang schon die bekannte Alarma Musik und ich bekam doch etwas Gänsehaut.

Beim Start kam ich recht gut weg und absolvierte den ersten Teil des Gletchers ohne Probleme und ohne, dass ich von jemandem über den Haufen gefahren wurde. Den Steilhang, der wohl im Winter als schwarze Skipiste durchgehen würde, rutschte ich jedoch hinten weg und absolvierte den Rest des Hanges auf dem Rücken und versuchte um jeden Preis mein Rad nicht loszulassen, so wie es so mancher anderer wohl unfreiwillig gemacht hat. Bei dieser Rutschpartie muss sich meine hintere Steckachse gelöst haben was mir aber erst gut einen Kilometer spärter auffiehl, als Hinterradbremse und Schaltung verrückt spielten. Dieses kleine Maleur war aber schnell behoben und ich nahm den langen Singletrail bis runter zur Alpe d’Huez in Angriff. Vor mir waren Fahrer, die alle ungefähr mein Tempo gefahren sind und so machte der Teil der Strecke auch recht viel Spaß, ohne dass ich Platzierungen gutmachen konnte oder welche verlor.

Kurz vor der Alpe d’Huez wollte ich dann einen Fahrer überhohlen und legte mich dabei hin und verbog die Klemme des rechten Bremshebels. Es dauerte leider etwas, bis ich den Hebel wieder in eine Postion gebracht hatte, mit der ich weiter fahren konnte. Kurz drauf kam der bekannte Anstieg, in dem recht viele Zuschauer standen und Stimmung gemacht haben. Das gab mir einen Motivationsschub, um alles aus meinen Beinen raus zu hohlen und Gas zu geben; hier konnte ich so einige Paltzierungen gute machen. Kaum war der Anstieg geschafft musste ich in einem Anlieger den Fuss absetzen und stiess ihn unglücklich an einen Steinbrocken, was ziemlich schmerzhaft war. Ich blieb stehen und versuchte allerelei Bewegungen um rauszufinden ob etwas kaputt war, konnte glücklicherweise aber gleich weiter fahren.

Zu guter Letzt verlor die Hinterbremse dann auch noch an Druck (wahrschinlich durch den Sturz), was mich zum mehrfachen Anhalten zwang und den Hebel weiter nach aussen zu stellen und mein Shifter brach ab. Aufgeben kam aber nie in Frage und ich fuhr im gleichen Gang den Rest des Rennens zu Ende; von den Schmerzen in Armen und Händen ganz zu schweigen. Schlussendlich reichte es noch für Paltz 274 und wenn man bedenkt, dass am Start schon 180 Fahrer in den Reihen vor mir standen ist das noch ganz in Ordnung.

Es war eine echt anstengende Erfahrung; die ich auf jeden Fall noch einmal wiederhohlen will; aber wohl nicht in den nächsten Jahren. Bei der länge der Strecke ist es wegen der Müdigkeit in Armen und Händen kaum möglich sein ganzes Potential auszufahren: Teilweise kam ich mir vor, als ob ich ganz vergessen hatte, wie man schnell einen Berg hinunter fährt. Etappenrennen liegen mir momentan besser, aber ich werde sicher nochmal zurück kommen und dann auch ordentlich darauf hin trainieren!

 

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